Theaterhaus G7

Die Website des Theaterhauses G7

Ab 27. September 2018!

Besser scheitern_A4

 

Schon in der Kindheit werden wir Menschen heutzutage damit konfrontiert, dass in unserer „Erfolgsgesellschaft“ kein Platz für Versagen, Fehlschläge und Niederlagen ist – Scheitern ist nicht vorgesehen. Hingegen sind Leistung, Effizienz und Fortschritt gefragt und werden eingefordert. Nicht umsonst hat der amerikanische Soziologe Richard Sennett bereits in den 1990er Jahren das Scheitern als das „große Tabu der Moderne“ bezeichnet. Zwar ist dieses Tabu in den letzten Jahren in verschiedenen Bereichen unserer Gesellschaft aufgebrochen worden, allerdings vor allem im Sinne des neoliberalen Konzepts erfolgreich bewältigter Misserfolge, im Sinne des Konzepts von „Trial and Error“ – „Versuch und Irrtum“. Auch wenn das „Trial and Error“-Konzept fraglos eine wesentliche Rolle im menschlichen Leben spielt (vom kindlichen Lernprozess bis hin zur wissenschaftlichen Forschung), wird das Scheitern in diesem Zusammenhang lediglich als die Voraussetzung für künftige Erfolge verstanden und dem Konzept der Selbstoptimierung zu- und untergeordnet – nach dem Motto: Aus Fehlern wirst du klug. 

Doch von dieser neoliberalen Verkleinerungsform des Scheiterns, das auf seine Rolle im permanenten Selbstoptimierungsprozess reduziert und als korrigierbarer Fehlschlag verniedlicht wird, wollen wir bei Besser Scheitern – ein Prospekt des Misserfolgs nicht erzählen. Uns geht es bei diesem Projekt vielmehr um das Scheitern an und für sich, um das kleine und das große Scheitern, das alltägliche „Schief-“ und das existentielle „Danebengehen“, das immer wiederkehrende „In-die-Hose-gehen“ und der dauerhafte „Schiffbruch“, wenn die Welt – der etymologischen Herleitung des Wortes „scheitern“ entsprechend – wortwörtlich „in Stücke geht“. 

Angefangen mit der Uraufführung Schiefer gehen über das interaktive und partizipative Projekt Ein Archiv des Misserfolgs und die Lesereihe Stücke aus dem Papierkorb bis hin zur temporären Dependance des Club der polnischen Versager mit Baden gehen suchen wir nach den Wurzeln der Angst vor dem Misserfolg, der Scheu vor Fehlschlägen und den Auswegen aus diesem gesellschaftlichen Debakel um das Nichterreichen und Schiefgehen.

Nicht zuletzt geht es bei Besser Scheitern – ein Prospekt des Misserfolgs um Mut, um Courage und um Selbstvertrauen. Es geht darum, das Scheitern als Teil unseres Lebens (auch in einer Leistungsgesellschaft) akzeptieren zu können und somit die Angst vorm Scheitern zu nehmen. Neben der so gut ausgeschilderten „Gewinnerstraße“ gibt es eben unzählige verwinkelte und stolprige Wege durch die Welt – ein großes und wichtiges Thema für uns alle. 



Letztes Update: 18.10.

Archiv_A4

von Hanneke Paauwe und Bernd Mand
Eine Kooperation von Theaterhaus G7 und MARCHIVUM – Mannheimer Stadtarchiv

Eröffnung am 7. November um 18 Uhr.

Vom 8. bis 30. November 2018 im MARCHIVUM – Mannheimer Stadtarchiv.

Dienstag, Mittwoch, Freitag 12 bis 16 Uhr, Donnerstag 14 bis 18 Uhr. Eintritt frei.

 

Die belgische Regisseurin und Autorin Hanneke Paauwe und Bernd Mand, künstlerische Leiter am Theaterhaus G7, bauen gemeinsam mit Mannheimer Bürger*Innen an diesem außergewöhnlichen Archiv. Ausgangspunkt ist die menschliche Angst vor dem Scheitern. Die Furcht, nach einem Misserfolg nicht mehr dazuzugehören (zu Familie, Freunden oder auch am Arbeitsplatz). Die Furcht ausgeschlossen zu werden, alleine zu sein und nicht akzeptiert oder geliebt zu werden.

Diese Angst wird in der Regel nicht gezeigt, so wie man auch Misserfolge versucht zu verstecken. Das Scheitern ist weiterhin ein Tabu, etwas, das man nur allzu gerne unter den Teppich kehren, vergessen und ungeschehen machen möchte. Die Geschichte des Scheiterns ist eine Geschichte voller Scham, Stress und Erschöpfung. Und nicht selten führt die Angst vor dem Misserfolg zu einer extremen Form der Konformität der Menschen. In ihren Lebensentwürfen, ihrem Verhalten und sogar ihren tiefsten Wünschen.

Ein Archiv des Misserfolgs will diese Prozesse sichtbar machen und zur Diskussion stellen. Durch partizipative und interaktive Formate beim Sammeln von Erlebnissen und Erfahrungen der Mannheimer Bürger*Innen mit dem Scheitern und der Angst vor dem Versagen, durch das Archivieren und Ausstellen von privaten, beruflichen und auch öffentlichen Niederlagen.

Und dazu suchen wir ab sofort eure/Ihre Geschichten! Wer mitmachen möchte oder Fragen hat, meldet sich einfach unter mail@theaterhausg7.de. Wir freuen uns auf viele gescheiterte Geschichten.

Mit freundlicher Unterstützung durch:

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Eine Kooperation von Theaterhaus G7 und dem Nationaltheater Mannheim

Wenn wir das Scheitern nicht lediglich als eine lästige Vorstufe des Erfolges abtun, sondern als autonomen Gegenstand betrachten, dann ist es nur folgerichtig, unsere Papierkörbe archäologisch zu durchforsten und all die als „gescheitert“ abgestempelt und entsorgten Artefakte zu Tage zu fördern und die versäumte Auseinandersetzung mit Ihnen nachzuholen. Wer kann schon sagen, ob sich darunter nicht auch wahre Schätze verbergen? Auch erfolgreiche Autor*innen haben Texte verworfen, in den Tiefen ihres PCs versteckt, die nie ihren Weg an die Öffentlichkeit fanden, die nur Entwürfe geblieben sind und nie fertig wurden oder nicht fertig werden sollten. Ein riesiger (digitaler) Papierkorb mit gescheiterten Texten! Wir haben renommierte Autor*innen gebeten, uns das eine oder andere Fragment zum Lesen zur Verfügung zu stellen. Einige haben schon in ihren Papierkörben gekramt und uns ihr als „gescheitert“ abgestempeltes Material zur Verfügung gestellt.

In der ersten Ausgabe dieser neuen Lesereihe schenkt uns Autorin Ulrike Syha ein Kleinod aus ihrem Papierkorb.

Gelesen und eingerichtet werden die Lesungen sowohl von Ensemblemitgliedern des Nationaltheaters als auch von künstlerischen Mitarbeiter*innen des Theaterhauses.

Künstlerische Leitung: Pascal Wieandt

Donnerstag, 15. November um 20 Uhr

Karten: 12 Euro, ermäßigt 9 Euro

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Mongos gewinnt den Stella18 – Darstellender.Kunst.Preis für junges Publikum

Theaterhaus in G7 spielt "Mongos" von Sergej Goessner Regie: Martin Brachvogel Mit: Nuri Yildiz, Jonas Werling Foto Thomas Troester

Es ist ganz offiziell: unsere Produktion Mongos, die in Zusammenarbeit mit dem Grazer Theaterkollektiv Follow the Rabbit entstanden ist, gewinnt den diesjährigen Stella18-Darstellender.Kunst.Preis für junges Publikum in der Kategorie Herausragende Produktion für Jugendliche.

Weitere Nominierte waren: BrainGame / 14+, Körperverstand. Tanztheater Wien (Wien), Concord Floral / 14+, Volkstheater (Wien) und Ich habe das Gefühl, etwas Besonderes zu sein / 12+, Wiener Klassenzimmertheater (Wien).

Wir freuen uns außerdem darüber, dass die beiden Darsteller Jonas Werling und Nuri Yildiz auch in der Kategorie Herausragende darstellerische Leistung nominiert worden sind. Die Entscheidung in dieser Preiskategorie wird am Abend der Preisverleihung bekanntgegeben.

Ein Jahr lang fuhr die vierköpfige, unabhängige Fachjury, bestehend aus Bernadette Abendstein, Stefan Ebner, Sara Schausberger und Elisabeth Pöcksteiner, durch ganz Österreich und sichtete und bewertete rund 120 Theater-, Tanz- und Musiktheaterproduktionen für junges Publikum. Anfang Juli sprach die Jury Nominierungen in fünf Kategorien aus (Herausragende Produktion für Kinder, Herausragende Produktion für Jugendliche, Herausragende Ausstattung, Herausragende Musik, Herausragende darstellerische Leistung). Und am 20. Oktober findet die Preisverleihung in St. Pölten im Landestheater Niederösterreich statt.

Wir freuen uns sehr über die Entscheidung der Jury und zeigen Mongos bei uns im Haus wieder am 8. und 9. November jeweils um 20 Uhr.

Zum Preis

STELLA-Darstellender.Kunst.Preis für junges Publikum ist eine Initiative der ASSITEJ Austria, dem Dachverband der österreichischen Theater- und Tanzszene für junges Publikum. Er ist ein wichtiger Impuls um auf die Vielfalt und die hohe Qualität der österreichischen Tanz- und Theaterszene aufmerksam zu machen. Hier zeigt sich das Potential, die Kreativität und die Professionalität dieses Genres. Dahinter steht das jahrelange Bestreben, die österreichische Kulturpolitik und Öffentlichkeit auf die Bedeutung für Kunstvermittlung für junges Publikum zu sensibilisieren.

Durch entsprechende Infrastrukturmaßnahmen und ebensolches Subventionswesen sollen die professionellen Arbeitsbedingungen für Theater- und Tanzschaffende, die sich mit Kinder- und Jugendkultur beschäftigen, verbessert werden. Denn nur so ist gewährleistet, dass junges Theaterpublikum dieselben hochqualitativen künstlerischen Voraussetzungen im Kunst- und Kulturbereich vorfindet, wie sie für ein erwachsenes Publikum selbstverständlich sind.