TiG7

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Täglich Brot

Von Gesine Danckwart
400 Meter mit den Kollegen im Nacken

Wer im Schulsport einmal einen 400-Meter-Lauf absolvierte, hat es am eigenen Leib gespürt: Diese Disziplin gehört zu den härtesten in der Leichtathletik. Der Sprinter muss vom Startschuss bis zum Zieleinlauf seine Leistungsgrenze überschreiten und darf sich keine Sekunde der Schwäche leisten. Ein Straucheln, ein kurzer Moment der Unkonzentriertheit, ein falscher Atemzug und das Rennen ist für ihn gelaufen. Zum Aufholen reicht die Zeit nicht.

Die Regisseurin Katia Alves zieht in ihrer Inszenierung von Gesine Danckwarts Stück „Täglich Brot” im Theaterhaus TiG 7 eine Parallele zwischen dem beruflichen Wettbewerb und ein 400-Meter-Rennen. Fünf Männer und Frauen erleben ihren Alltag wie einen solch kräftezehrenden Sprint. Täglich am Limit im Kreis herum konkurrieren sie in ihrem Job um den ersten Platz, kämpfen mit Ellbogen und Überlebensinstinkt um Erfolg, Status, Selbstbestätigung und um ihre nackte Arbeitnehmer-Existenz. Denn in der modernen Leistungsgesellschaft gilt das Recht des Stärkeren, wer heute ganz vorn ist, wird vielleicht schon morgen von Jüngeren oder Smarteren überholt. Die Angst vor einem Statusverlust ist ein gnadenloser Antreiber. In „Täglich Brot” sitzt er der Geschäftsfrau Gala genauso im Nacken wie der Praktikantin Nelke, dem Projektleiter Ulrich wie der Serviererin Ela. Auch der Arbeitslose Sesam ist paradoxerweise im Kreislauf des Wettbewerbs gefangen, obwohl er eigentlich davon ausgeschlossen ist.

Die Fünf laufen ihr Rennen, Runde für Runde vom Start zum Ziel, Tag für Tag vom schrillen Läuten des Weckers bis zum Feierabend. Sie beschreiben ihren persönlichen Kampf in Monologen mit feinem Sprachwitz, treten kommentierend beiseite oder wenden sich direkt ans Publikum, das sich in den Figuren und deren Frust im Job durchaus wieder erkennt.

Regie: Katia Alves
Bühnenbild: Katia Alves
Bühnenbildassistentin: Katja Angerbauer
Es spielen: Ninon Hirth, Karin Gültlinger, Patrick Mueller, Soolmas Kashani und Giuseppe Cannio

„…die Charaktere von den Schauspielern gut herausgearbeitet. Die Inszenierung ist sehr eindrucksvoll gelungen, … Licht und Ton unterstreichen die Szenen und setzen Akzente.” (Die Rheinpfalz)

„… eine temporeiche Komposition zum Thema Mensch und Arbeit, ein gelungenes Werk voller Wortwitz und Sprachrhythmus. … Das Publikum zollte langen, anhaltenden Applaus.” (Mannheimer Morgen)