Theaterhaus G7

Die Website des Theaterhauses G7

Freie Radikale

Manifest

Drei sind mehr als eins: Freie Radikale

1. Prolog

Drei Häuser haben sich zusammen getan, um eine Standortbestimmung der Freien Szene in Mannheim vorzunehmen und ihre Stärken hervorzuheben und auszubauen. Theater Felina-Areal, Theaterhaus G7 und zeitraumexit entwickeln ein gemeinsames Label, unter dem künftig herausragende ästhetische Positionen und Diskussionen präsentiert werden. Als zusätzlicher Aufführungsort unterstützt die Alte Feuerwache aktiv das Label.

Die Mannheimer Kulturlandschaft ist im Aufbruch. Der Ausbau und die internationale Vernetzung der Freien Szene sind politisch erwünscht. Unklar bleibt dabei, wodurch sich eine Freie Darstellende Kunst auf dem Niveau einer europäischen Kulturhauptstadt auszeichnet, worin ihre Qualität besteht. Als drei unabhängige und programmatisch eigenständige Häuser teilen wir das Verständnis einer Freien Szene, die sich durch programmatische und nicht durch institutionelle oder förderpolitische Kriterien definiert.

Vielfalt muss auch in seiner Qualität und Originalität überzeugen, und beides kann sich nur entwickeln durch kontinuierliche und professionelle Arbeit. Nur dann kann Mannheim in dem Segment der Freien Darstellenden Kunst weiter an Anziehungskraft gewinnen. Die von den drei Häusern vertretene Freie Szene steht für eigene künstlerische und ästhetische Positionen; sie spricht ein diverses, kosmopolitisches und urban orientiertes Publikum an und ist ein zentrales Element in einer Stadt, die als Kulturstadt punkten möchte.

Diese Ansätze gilt es hier und jetzt sichtbar zu machen, zu fördern und auszubauen, anstatt auf bessere Zeiten zu warten.

2. Freie Radikale

 Freie Radikale besinnt sich auf die eigenen Stärken statt auf politische Versprechen und setzt auf Kooperation statt Konkurrenz. Freie Radikale zeigt punktuell und exemplarisch, was in einer Kulturhauptstadt Mannheim selbstverständlich werden muss.

 Freie Radikale präsentiert Eigen- und Koproduktionen sowie nationale und internationale Gastspiele unter der Verantwortung des produzierenden bzw. einladenden Hauses.

 Freie Radikale zeigt die künstlerische Vielfalt in Mannheim, denn die unterschiedlichen Handschriften von Theater Felina-Areal, Theaterhaus G7 und zeitraumexit bleiben erhalten.

 Freie Radikale steht in der Kontinuität einer langjährigen künstlerischen Arbeit und zeigt das Beste von dem, was vor Ort entsteht und das, was nur gemeinsam entstehen kann.

 Freie Radikale entscheidet über die Auswahl der präsentierten Projekte und regt damit auch die inhaltliche Auseinandersetzung seiner Mitglieder über die Entwicklung theatraler und performativer Ansätze an.

 Freie Radikale präsentiert seine Projekte dort, wo es sinnvoll ist, in den Häusern von Theater Felina-Areal, Theaterhaus G7, zeitraumexit oder in der Alten Feuerwache sowie an anderen Orten.

 Freie Radikale nutzt Synergien in der gemeinsamen Nutzung von Räumen, Ausstattung und Technik aber auch in der Öffentlichkeitsarbeit.

 Freie Radikale initiiert Diskussionen über kulturpolitische sowie ästhetische Fragen.

 Freie Radikale erhöht die Sichtbarkeit der Mannheimer Szene für ein diversifiziertes, kosmopolitisches und urban orientiertes Publikum.

 Freie Radikale ist: Theater Felina-Areal, Theaterhaus G7, zeitraumexit.

3. Freie Szene – Versuch einer inhaltlichen Bestimmung

Es gibt mindestens zwei Möglichkeiten, sich der Frage nach einer Definition der Freien Szene zu nähern, eine institutionelle und eine inhaltliche. Wir plädieren für eine inhaltliche Bestimmung. Nur so ist überhaupt eine Einordnung in den internationalen Kontext möglich, da die spezifisch deutsche Struktur aus Stadttheater und Freier Szene nahezu einzigartig ist. Auch für unser Publikum, dem wir uns in erster Linie verpflichtet sehen, ist die institutionelle Verfasstheit eines Hauses irrelevant, während Erscheinungsbild, Atmosphäre und künstlerische Aussage das Kulturerlebnis prägen.

 Wir definieren die Freie Szene als eigene kulturelle Position, die Impulse in Mannheim, der Region und der überregionalen Kulturlandschaft setzt durch,

 – die Infragestellung und Weiterentwicklung der ästhetischen Mittel

 – die Überwindung der Genre-Grenzen als künstlerisches Mittel und eine entsprechend offen interdisziplinäre Arbeitsweise

 – die Reflexion und Bezugnahme auf den internationalen Kontext aktueller Entwicklungen in Theater, Performance, Tanz, Bildender Kunst, Literatur und Musik.

 Dass daneben vielfältige andersgeartete künstlerische Ausdrucksformen und Programmatiken in der Freien Darstellenden Kunst Mannheims existieren, ist glücklicherweise selbstverständlich und begrüßen wir ausdrücklich.

4. Freie Mittel für das Neue

Zwar wurde die Freie Szene in Mannheim in den zurück liegenden Jahren mit deutlichen Erhöhungen der Projektfördermittel bedacht. Das biennal stattfindende Produktionsfestival „Schwindelfrei“ hat sich die Förderung und Entwicklung freier Projekte in der Darstellenden Kunst zum Ziel gesetzt, und von der Initiative zur Schaffung eines Produktionszentrums geht ebenfalls eine starke politische Signalwirkung aus. Aber von einer substantiellen Verbesserung der Situation der Produktions- und Präsentationshäuser kann immer noch nicht die Rede sein. Von den drei Häusern erhält nur das Theaterhaus G 7 eine institutionelle Förderung, deren Höhe einer Weiterentwicklung enge Grenzen setzt. Die anderen Institutionen, die ebenfalls in hohem Maße für die Kontinuität der Freien Szene stehen – zeitraumexit und Theater Felina-Areal – müssen alle zwei Jahre neu verhandeln und verfügen über keine langfristige Basisförderung. Es besteht keine Planungssicherheit für diese Häuser, die zum größten Teil aus eigener Kraft und mit wenigen Drittmitteln versuchen, eine Kontinuität aufrechtzuerhalten oder herzustellen. Selbst der Status quo des bisher Erreichten ist bei einer Existenz von der Hand in den Mund nicht mehr zu halten.

Professionelle, kontinuierliche Arbeit bedarf entsprechender finanzieller Mittel. Ideen allein und die persönliche Selbstausbeutung der Verantwortlichen reichen nicht aus. Nur auf der Basis von gesicherten und kontinuierlichen Strukturen in der Gegenwart ist die Entwicklung einer aktiven Szene und Kulturlandschaft auf europäischem Niveau in der Zukunft möglich.

Freie Radikale fordert daher ab 2014 eine substantielle öffentliche Förderung über vier Jahre, um Projekte unter diesem Label realisieren und präsentieren zu können. Anders als bisher soll dadurch im Rahmen von Freie Radikale eine tragfähige Basis (Deckung von Kosten für Personal, Infrastruktur und Produktion) entstehen, auf der eine kontinuierliche Arbeit möglich ist: Entwicklung und Realisierung von Projekten, Suche nach Sponsoren und Stiftungen, Öffentlichkeitsarbeit. In der Konsequenz heißt das: eine projekt- und spartenübergreifende Förderung der Freien Szene in Mannheim.

 zeitraumexit e.V.: Gabriele Oßwald, Wolfgang Sautermeister, Tilo Schwarz

Theater Felina-Areal:Sascha Koal

Theaterhaus G7: Wolfgang Gladrow, Einhart Klucke, Inka Neubert

Jan-Philipp Possmann (Freier Dramaturg)